Vitali Klitschko im Interview zum Kampf gegen Shannon Briggs
Am Samstag tritt WBC-Weltmeister Vitali Klitschko in der Hamburger O2-World in seinem 43. Profikampf zum “Duell der KnockOuter” gegen den US-Amerikaner Shannon Briggs an. RTL überträgt den WM-Kampf live ab 22.10 Uhr.

(c) RTL / Morris Mac Matzen
Vitali, Sie machen einen sehr entspannten Eindruck und scheinen sehr gut vorbereitet zu sein. Fühlen Sie sich auch so?
“Ich freue mich, in einer so guten Form zu sein. Im kommenden Jahr werde ich 40 Jahre alt – das ist Wahnsinn. Ich fühle mich wie 25, und ich denke, dass ich auch leistungsmäßig auf diesem Niveau bin. Ich habe oft genug beteuert, dass ich noch genügend trockenes und unverbrauchtes Pulver habe.”
Wie schätzen Sie Shannon Briggs ein?
“Der Kampf wird nicht einfach. Ich würde sagen, er ist mein gefährlichster Gegner nach Lennox Lewis. Er hat eine riesige K.o.-Quote, er hat mehr Erfahrung als ich, ist groß und ein ausgeschlafener Fuchs. Und er wird alles geben, um seine letzte Chance zu nutzen, wieder Weltmeister zu werden. Jeder kann sehen, dass er in hervorragender körperlicher Verfassung und sehr gut vorbereitet ist. Andererseits: Shannon Briggs mag jede Menge Muckis haben, aber auch wenn die Kraft eine Rolle im Boxen spielt, ist es nicht der wichtigste Teil.”
Shannon Briggs hat Ihren Boxstil als Kung-Fu-Oktopus-Stil bezeichnet. Finden Sie sich da gut beschrieben?
“Es gab schon viele Bezeichnungen für meinen Stil, aber der Oktopus-Stil ist neu. Aber das ist doch gut, denn er ist sehr effektiv: Auch wenn Briggs noch so viele Sparringspartner hatte, keiner kann meinen Stil kopieren.”
Ein sensibles Thema für Shannon Briggs ist sein Asthma. Da fühlte er sich von Ihnen provoziert und giftete Sie deshalb bei der Pressekonferenz am Montag gehörig an…
“Ich zweifele ja gar nicht an, dass er Asthma hat, aber er ist auch nicht krank. Ich habe gesehen, dass er über 12 Runden gehen kann und dabei die nötige Kondition hat. Ich kenne sehr viele Sportler, die trotz Asthma sehr gute Leistung zeigen. Deshalb sollte er nicht ablenken und nicht schon jetzt eine Ausrede präsentieren, warum er den Kampf verliert. Sein Asthma sollte ihn auch nicht daran hindern, eine super Technik im Ring zu zeigen.”
Ihr Gegner ist 38, sie sind 39 Jahre alt. Wie sehr nagt das zunehmende Alter an Ihnen?
“Für mich ist das eine interessante Herausforderung. Bin ich mit 39 Jahren schon zu alt? Bin ich technisch schwächer? Nein, ich will noch einmal beweisen, dass ich nicht umsonst den WBC-Gürtel besitze, den anerkanntesten Gürtel der Welt. Ich kann meine Karriere jede Sekunde beenden, dafür gäbe es zig Gründe. Aber im Moment komme ich nicht dazu, darüber nachzudenken. Wenn es soweit ist, sage ich Bescheid.”
Drängt die Familie?
“Die Familie, das ist ein besonderes Thema. Ich bin ein Wochenend-Vater. Meine Frau sagt mir, dass ich als UNESCO- und als Laureus-Botschafter Zeit habe, Kinder in Brasilien, Namibia, Rumänien und fragt, wann ich mehr Zeit habe für die eigenen Kinder. Sie hat Recht, und so versuche ich, soviel Zeit wie möglich mit meiner Familie zu verbringen. Aber das größte Problem ist dabei, dass der Tag nur 24 Stunden hat. Jeden Tag skype ich mit meinen Kindern, aber das ersetzt den Kontakt natürlich nicht.”
Sportler, Familienvater, Politiker und Geschäftsmann – wie kriegen Sie das alles unter einen Hut?
“Ich tanze nicht auf zu vielen Hochzeiten. Was ich mache, das habe ich sehr systematisch aufgebaut, mache es sehr bewusst. Wichtig ist nur, delegieren zu können. Dabei kann ich mich völlig auf mein Team verlassen. Jeder hat seine Aufgabe, wir arbeiten wie eine Mannschaft. Die Zeit ist knapp. alles zu bewerkstelligen, aber ich beschwere mich nicht.”
Eine Frage darf nicht fehlen – es ist die nach David Haye?
Wer ist Haye? Wer hat über den vor zwei Jahren gesprochen? Er ist bekannt durch seine Technik, seine Schlagkraft und durch seine verrückten Sprüche. Er will jetzt seinen nächsten Gegner nach eigener Aussage im Ring vergewaltigen. Was bedeutet das? Ist er schwul oder was? Er ist nicht Haye, sondern Gay! Jeder kennt diesen Typ Boxer, der nicht so gut kämpft, aber dafür umso besser beleidigen kann. Die ganze Boxgemeinde wünscht sich, dass ihm jemand sein Maul stopft. Ich würde das gerne machen.”
Ist das jetzt so zwischen Ihnen und Wladimir geklärt?
“Das ist die schwierigste Frage. Ich habe niemals Streit mit meinem Bruder gehabt, aber diese Frage bringt uns wieder in eine Diskussion, bei der wir keine Lösung finden können.”
Hat Ihnen Ihr Bruder bei seinem Kampf gegen Samuel Peter auch so imponiert wie vielen Boxexperten?
“Früher hatte Wladimir immer Angst gehabt, einen Schlag verpasst zu bekommen. Er hat auf längere Distanz gekämpft und ist kein Risiko gegangen. Aber ich sehe, dass er von Kampf zu Kampf selbstbewusster wird. Und im letzten Kampf gegen Samuel Peter hat er sich von einer ganz anderen Seite gezeigt. Er ist mit dem Wunsch in den Kampf gegangen, seinen Gegner zu zerstören. Technisch, das habe ich immer gesagt, ist Wladimir schon lange der beste Schwergewichtler der Welt.”
Zuletzt in Frankfurt durfte Ihr Sohn Egor-Daniel erstmals mit am Ring sitzen und den K.o.-Sieg seines Onkels Wladimir gegen Samuel Peter erleben. Darf er seinem Vater am Samstag auch bei der Arbeit in der O2-World zuschauen?
“Ich hatte schon vor dem Kampf von Wladimir deshalb Streit gehabt mit meiner Frau. Ich hatte gesagt, der Sohn ist alt genug, um das erste Mal bei einem Kampf dabei zu sein und habe es erlaubt. Bei meinem Kampf wird er nicht dabei sein, denn das ist eine zu große psychische Belastung für mich und auch für ihn.”
Hätten Sie etwas dagegen, wenn eines Ihrer Kinder Profisportler wie Sie würde?
“Im Moment spielen Sie Schach, Tennis, einer reitet und einer macht Tai Chi. Ich wünsche nicht unbedingt, dass meine Kinder Profisportler werden, denn das ist eine harte Schule mit vielen Entbehrungen. Auf dem Weg zur Spitze gibt es sehr viele Hindernisse. Man muss oft seinen inneren Schweinehund überwinden, und auch wenn es oft Spaß macht, ist es schwer. Aber wenn sie den unbedingten Wunsch haben, werde ich das unterstützen.”
Kennt Vitali Klitschko eigentlich Angst?
“Ja, wenn ich zu spät zum Training komme, habe ich Angst vor meinem Trainer Fritz Sdunek. Aber ernsthaft: Jeder hat Angst. Ich will mich nicht als Angsthase präsentieren, aber Angst ist ein ganz normaler psychischer Zustand. Wer allerdings Angst hat, in den Ring zu steigen, der sollte besser zuhause bleiben.”
Quelle: RTL
Lesen Sie auch: Wladimir hätte gerne gegen Shannon Briggs geboxt
Twitter das!
Share on Facebook
Digg This
Delicious
Stumble it
RSS Feed

